Urania Theater präsentiert

Gegen die
Demokratie

von Esteve Soler

 

Sept 3. | 5. | 12. | 15. | 17. | 22. | 24. | 29. | Okt 6. | 13.

Deutsche Erstaufführung

“Was glauben die eigentlich, was die alle vier Jahre mit ihren lächerlichen Wahlzetteln ausrichten können” – fragt Y in der szenischen Kollage von Esteve Soler “Gegen die Demokratie”.

Sieben kleine Szenen, überdreht, komisch, ekelhaft – so beschreibt Soler, das tägliche Scheitern von Demokratie. Gleichzeitig ist sein Stück eine verzweifelte Liebeserklärung an die einzige Staatsform, die die Gleichheit der Bevölkerung, sein Recht auf einen Rechtsstaat gesetzlich verankert.

Soler zeigt den modernen Menschen, der in 70 Jahren Frieden und Demokratie in Europa, vergessen hat was Demokratie ist. Er zeigt Menschen, für der Begriffe Demokratie ausgehölt ist. Eine leere Worthülle ohne Bedeutung. Er zeigt den modernen Menschen, der Konsum für Demokratie hält.

Den Menschen, der seinen eigenen Wert in Rentabilität misst. So erklärt ein Ehepaar zum Beispiel seinem Sohn zum 18 Geburtstag: “Du bist einfach nicht rentabel” – und erschießt ihn.

Ein anderes Paar empört sich. Der Wutbürger, der mehr Parkplätze herbei wütet: “Was glauben die eigentlich, wer die sind? Wir wählen die ab. Wir wählen die anderen”.

Während dessen gebiert die Frau ihr erstes Kind – eine riesengroße Spinne, die ihre Eltern bei lebendigem Leib frisst. Die Zukunft frisst uns auf.

Hochaktuell und schwierig eine kleine Szene mit Farah aus Afghanistan, die ihren Mann gerade ermordet hat und darum bettelt im Gefängnis ihre Burka nicht ablegen zu müssen. Ist der Islamismus eine Staatsform? Was ist Toleranz? Was bedeutet es, wenn in einer Demokratie religiöse Symbole – wie eine Burka – verboten werden?

Das Urania Theater eröffnet seine erste Spielzeit nach 16 Monaten Corona bedingter Schließung mit einem Streit-Angebot. Lasst uns streiten. Nicht hasserfüllt. Nicht unversöhnlich. Sondern konstruktiv über das, was Demokratie wirklich heißt. Was sie uns abverlangt. Jeden Tag. Was wir aushalten müssen, wenn wir wirklich demokratisch miteinander leben wollen.

Die deutsche Erstaufführung von “Gegen die Demokratie” ist ein Bekenntnis zur offenen Gesellschaft.

Cast: Rosa DahmTom Kramer und Matthias Pieper

Kostüm und Bühnenbild: Hannah Krauß

Dialogregie: Bettina Montazem

Regie: Adrian Linz

Adrian Linz studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien und Regie an der University of the Arts Amsterdam. Als Regieassistent arbeitete er unter anderem am Schauspiel Hannover, Burgtheater Wien und Deutschen Theater Berlin. Erste eigene Arbeiten inszenierte er am Landestheater Neuss und an der Oper Chemnitz. 

Presse

WDR-Bericht vom 7.9.2021 – wdr3-kultur-am-mittag/audio-gegen-die-demokratie-von-esteve-soler-in-koeln

Susanne Schramm in der Kölnische Rundschau vom 11.9.2021 – KoeKu-11092021.pdf

“In sieben kurzen, nicht miteinander verbundenen und in sich abgeschlossenen Szenen zeigt Esteve Soler in ‘Contra la democràcia’ Auswüchse unserer heutigen Zeit auf. Eine absurd groteske Atmosphäre der Horrorszenarien des Grand Guignol verleiht den einzelnen Geschichten ihre Wirkung. Dass hier grundsätzlich etwas schiefläuft, wird deutlich, wenn ein Elternpaar den Sohn mitten in der Nacht weckt, um ihm mitzuteilen, dass er ungewollt war und daher nun erschossen wird. Oder wenn sich in einer anderen Szene plötzlich keine der Figuren mehr daran erinnern kann, welche Zahl auf die Sechs folgt. Solers komische und zugleich unheimliche Geschichten lassen einem das Lachen im Halse stecken bleiben.”

(Internationales Literatur Festival Berlin)

„Es darf gelacht werden, aber das Lachen erstirbt einem immer wieder auf den Lippen. Die Wendungen, welche die Ereignisse […] nehmen, sind nicht vorauszusehen und darum jedes Mal ein Volltreffer.“

(Bieler Tagblatt, 29.04.14)

„Kann man überhaupt gegen Demokratie und Liebe sein? Man kann! Vor allem, wenn die Begriffe in die Mangel von kritischer Distanz und skurrilem Humor genommen werden. […] Was auf der Bühne gezeigt wird, ist keine Vorwegnahme einer Welt von morgen, sondern ist ein groteskes Bild der Wirklichkeit von heute.“

(Aargauer Zeitung, 29.04.14)